NBA-Boss Adam Silver fordert US-Sportwetten-Zar für mehr Integrität

NBA-Commissioner Adam Silver spricht sich für die Einrichtung eines unabhängigen Beauftragten für Sportwetten in den USA aus. Dies geschieht nach einer Reihe von Wettskandalen, bei denen über 30 Angeklagte identifiziert wurden.
Die Integrität des Sports steht in den USA aktuell unter starkem Druck. NBA-Commissioner Adam Silver fordert daher proaktive Maßnahmen, um die Flut an Wettskandalen einzudämmen. Silver schlägt vor, dass Sportligen eine Koalition bilden und ein unabhängiger Beauftragter für Sportwetten eingesetzt wird, um die Integrität zu wahren.
Diese Forderung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem mehrere aktuelle und ehemalige NBA-Spieler im Mittelpunkt eines aufsehenerregenden Glücksspiel-Falles in Brooklyn stehen. Silver, der bereits vor der PASPA-Entscheidung im Jahr 2018 die Legalisierung von Sportwetten befürwortete, unterstützt nun bestimmte Aspekte eines Vorschlags der ehemaligen Bundesanwältin Carolyn Pokorny.
Zahlen und Fakten
Pokorny, eine ehemalige Bundesanwältin aus New York, hat ein Modell für einen föderalen Sportwetten-Beauftragten entworfen. Dieser Beauftragte soll umfassende Untersuchungsbefugnisse über mehrere Bundesstaaten hinweg erhalten. Silver sieht darin eine Möglichkeit, Untersuchungen zu erleichtern, bei denen die Ligen in ihrem Handlungsspielraum begrenzt sind. Mehr als 30 Angeklagte sind in die laufenden Ermittlungen verwickelt. Damon Jones etwa, ein ehemaliger Spieler, bekannte sich im April der Drahtbetrugsverschwörung schuldig. Seine Verurteilung ist für Anfang 2027 angesetzt.
Staatsanwälte informierten kürzlich den zuständigen Richter Ramon Reyes, dass sie kurz vor Einigungen mit elf weiteren Angeklagten stehen, darunter Shane Hennen, der als mutmaßlicher Drahtzieher diverser Glücksspiel-Ring gilt. Der Skandal zieht weite Kreise: Über 17 Division-I-College-Basketballspieler aus mehr als zwei Dutzend Schulen wurden in einem Manipulationsskandal angeklagt. Zudem sind auch Baseballspieler der Guardians, Emmanuel Clase und Luis Ortiz, in einen Manipulationsskandal verwickelt. In der NFL wurden 2023 zehn Spieler wegen Verstößen im Zusammenhang mit Sportwetten suspendiert, und Shane Pinto von den Ottawa Senators musste 41 Spiele aussetzen.
Silver merkt an, dass Prop-Wetten auf bestimmte Spieler-Leistungen, insbesondere die Option “unter” einer bestimmten Leistung, „besonders problematisch“ seien. Er beklagt die mangelnde Kontrolle der NBA über ihr geistiges Eigentum: „Wir können nicht entscheiden, ob Prop-Wetten platziert werden dürfen.“
Hintergrund
Die Debatte um Sportwetten-Integrität hat in den USA an Fahrt gewonnen, nicht zuletzt durch Warnungen von Senator Ted Cruz und dem New Yorker Abgeordneten Paul Tonko. Tonko vergleicht die Problematik des Glücksspiels unter Teenagern mit der Tabakepidemie der 1990er-Jahre. Silver betont die Notwendigkeit stärkerer Regulierung. Er sähe am liebsten einen bundesweiten Rahmen für Sportwetten, anstatt eines „Flickenteppichs“ aus 40 verschiedenen Rechtsordnungen. Die NBA hat im April Verhandlungen mit der CFTC über ein Memorandum of Understanding (MOU) geführt, während die Major League Baseball bereits ein solches mit der CFTC unterzeichnete. Dies ermöglicht der MLB, Polymarket als offiziellen Vorhersagemarkt der Liga zu benennen.
Silver sieht auch den Spielerschutz in der Verantwortung. Er äußert Bedenken hinsichtlich der schnellen Überschuldung von Spielern. Ein Zusammenschluss der Ligen könnte neben Best Practices für Insiderhandel und Manipulationsfragen auch wichtige Themen wie Datenüberwachung, Sanktionen gegen Wiederholungstäter und die Bekämpfung von Spielsucht angehen.
„Ich bin hier sehr pro-Regulierung, wie Sie hören können, und ich denke, es ist mehr nötig, um das Ganze in den Griff zu bekommen.“ - Adam Silver, Commissioner der NBA
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler haben diese Entwicklungen in den USA keine direkten Auswirkungen auf die Regulierung hierzulande. Allerdings zeigen sie, wie wichtig klare Regeln und ein starker Spielerschutz sind, um die Integrität des Sports zu gewährleisten und Spieler vor den Gefahren von Betrug und Sucht zu schützen. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) den Online-Glücksspielmarkt streng. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) ist für die Lizenzierung und Aufsicht zuständig. Nur Casinos auf der GGL-Whitelist sind legal und sicher. Spieler müssen sich an das 1-Euro-Einsatzlimit pro Spin bei Online-Spielautomaten halten. Ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro sowie der zentrale Spielersperrsystem LUGAS sollen präventiv wirken und vor Spielsucht schützen. Die GGL überwacht zudem die Einhaltung dieser Vorgaben. Die Forderung nach einem „Sportwetten-Zar“ in den USA zeigt nur, wie schwierig es ist, einen großen Markt effektiv zu regulieren, wenn viele Interessen aufeinandertreffen. Deutschland hat mit der GGL schon eine unabhängige Aufsichtsbehörde geschaffen, deren Aufgabe es ist, solche Probleme frühzeitig anzugehen und zu verhindern.
Was das für GGL-Casinos heißt
GGL-lizenzierte Casinos und Sportwettenanbieter in Deutschland unterliegen weitaus strengeren Regeln als viele Märkte, die Adam Silver in den USA beklagt. Die deutsche Regulierung des GlüStV 2021 konzentriert sich stark auf den Spielerschutz und die Integrität des Spiels. Manipulation oder Insiderhandel, wie in den US-Skandalen aufgedeckt, sind in Deutschland durch umfassende technische Überwachung und strenge Auflagen weitgehend ausgeschlossen. Zum Beispiel müssen alle Daten deutscher Spieler über LUGAS zentral erfasst und überwacht werden. Die GGL hat die Befugnis, bei Verstößen hart durchzugreifen, Lizenzen zu entziehen und hohe Geldbußen zu verhängen. Die deutschen Maßnahmen zur Verhinderung von Spielsucht, einschließlich Abkühlphasen und dem 1.000-Euro-Einzahlungslimit, sind führend. Diese proaktiven Schritte sollen sicherstellen, dass solche umfassenden Integritätsprobleme, wie sie die US-Ligen erleben, in Deutschland gar nicht erst entstehen. Es zeigt, dass der deutsche Weg mit einer zentralen Aufsichtsbehörde wie der GGL, die klare Kompetenzen hat, effektiver ist als ein zersplitterter Ansatz vieler Einzelstaaten.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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