Steuerdruck in Großbritannien: William Hill Besitzer evoke meldet stagnierende Umsätze
KI-GENERIERTDie evoke-Gruppe berichtet für das erste Halbjahr 2026 einen stabilen Umsatz von 887,5 Millionen Pfund, kämpft jedoch mit massiven Steuererhöhungen im britischen Markt.
Die Glücksspielbranche in Europa steht vor einem massiven Wandel, und kaum ein Unternehmen spürt den Druck der regulatorischen Daumenschrauben so deutlich wie die evoke-Gruppe. Der Eigentümer traditionsreicher Marken wie William Hill, Mr Green und 888 hat seine Zahlen für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt. In einem Marktumfeld, das von fiskalischer Härte geprägt ist, meldete das Unternehmen einen Umsatz von 887,5 Millionen Pfund (etwa 1,2 Milliarden US-Dollar). Obwohl der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stabil blieb, hinterlassen die politischen Entscheidungen in London tiefe Spuren in der Bilanz. Besonders die Erhöhung der Glücksspielsteuern im Kernmarkt Großbritannien, die zu Beginn des zweiten Quartals griff, belastete das operative Geschäft massiv.
Die finanzielle Lage von evoke ist angespannt. Während das Unternehmen operativ Fortschritte macht, fressen die Abgaben die Gewinne auf. Das bereinigte EBITDA sank im Jahresvergleich um 10 Prozent auf 150,2 Millionen Pfund. Nach Steuern verbuchte die Gruppe einen gemeldeten Verlust von 70,2 Millionen Pfund, was fast identisch mit dem Wert des Vorjahreszeitraums ist. Inmitten dieser Turbulenzen steht die Übernahme durch Ballys Intralot für die vergleichsweise geringe Summe von 243,1 Millionen Pfund im Fokus. Dieser Deal, der im Juni 2026 angekündigt wurde, soll das Unternehmen in ruhigere Fahrwasser führen, ist jedoch noch von der Zustimmung der Aktionäre und Behörden abhängig.
Zahlen und Fakten
Die Details des Berichts offenbaren Licht und Schatten. Der Bereich Online-Glücksspiel in Großbritannien und Irland wuchs um vier Prozent, was vor allem einem starken Zuwachs von sieben Prozent bei William Hill zu verdanken ist. Im Gegensatz dazu schwächelte die Marke 888 bewusst. Das Management entschied sich hier, die Profitabilität und die Wirtschaftlichkeit pro Kunde über die aggressive Gewinnung von Neukunden mit niedrigen Margen zu stellen. International gab es regional große Unterschiede: Während Italien um 21 Prozent und Dänemark um 13 Prozent zulegten, verbuchte evoke in Spanien und Rumänien schwächere Ergebnisse. Insgesamt sank der internationale Umsatz um zwei Prozent.
Ein großer Faktor für die Kostenstruktur war der Anstieg der Glücksspielabgaben um 46 Millionen Pfund im Vergleich zum Vorjahr. Dieser Betrag resultiert primär aus den britischen Steuererhöhungen. evoke konnte mehr als die Hälfte dieser Mehrkosten durch Einsparungen im Marketing, effizientere Werbemaßnahmen und allgemeine operative Kostensenkungen ausgleichen. Dennoch stieg die Nettoverschuldung an. Der Verschuldungsgrad erhöhte sich von 5,2x Ende 2025 auf 5,6x zum Stichtag 30. Juni 2026.
Hintergrund
Der radikale Umbau des Konzerns manifestiert sich am deutlichsten in den Einkaufsstraßen. evoke hat bereits 270 der ikonischen William Hill Wettshops geschlossen. Allein im Mai wurden rund 200 Filialen dichtgemacht. Dies ist Teil eines Programms zur Rentabilitätssteigerung des verbleibenden Portfolios von über 1.000 Standorten. CEO Per Widerström sieht das Unternehmen trotz der Widrigkeiten auf dem richtigen Weg und betont die Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells.
„H1 demonstrierte die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens in einem deutlich schwierigeren operativen Umfeld nach erheblichen Erhöhungen der Glücksspielabgaben in einigen unserer Kernmärkte, vor allem in Großbritannien. Wir haben entschieden reagiert und uns auf die Bereiche konzentriert, die in unserer Kontrolle liegen." - Per Widerström, CEO von evoke
Die Belastung durch die Politik ist enorm. Bereits im November 2025 wurde bekannt, dass die Steuer für Online-Glücksspiele in Großbritannien von 21 Prozent auf 40 Prozent steigen würde. Finanzministerin Rachel Reeves erhöhte zudem die Steuern auf Sportwetten von 15 Prozent auf 25 Prozent. Diese massiven Sprünge führen dazu, dass Unternehmen wie evoke ihre Investitionen in regulierte Märkte überdenken müssen. Widerström warnte bereits zuvor, dass solche Schritte Tausende von Arbeitsplätzen gefährden könnten, da die Steuerlast für kleinere und mittelgroße Anbieter kaum noch tragbar sei.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Kunden von Marken wie Mr Green oder William Hill hat die Entwicklung bei evoke eine Signalwirkung. In Deutschland gilt seit 2021 der Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021), der einen streng regulierten Rahmen vorgibt. Dazu gehören das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro über alle Anbieter hinweg (überwacht durch das LUGAS-System) sowie das Einsatzlimit von einem Euro pro Spin bei virtuellen Automatenspielen. Da evoke stark unter Kostendruck steht, konzentriert sich der Konzern zunehmend auf Märkte mit stabilen regulatorischen Bedingungen und hoher Profitabilität.
Spieler in Deutschland sollten darauf achten, nur bei Anbietern zu spielen, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Marken von evoke, die in Deutschland operieren, müssen diese strengen Regeln einhalten. Die wirtschaftliche Anspannung des Mutterkonzerns könnte dazu führen, dass Bonusangebote knapper kalkuliert werden oder der Fokus auf Bestandskunden mit hoher Loyalität gelegt wird, statt teure Neukundenboni auszuschütten. Wer bei einem lizenzierten GGL-Casino spielt, genießt jedoch den vollen Rechtsschutz, unabhängig von der steuerlichen Situation des Betreibers in Großbritannien.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die Krise in Großbritannien zeigt deutlich, was passiert, wenn die steuerliche Belastung die Grenze der Wirtschaftlichkeit überschreitet. Branchenexperten warnen davor, dass Spieler bei zu hohen Abgaben in den Schwarzmarkt abwandern. In Deutschland ist die Besteuerung mit 5,3 Prozent auf den Spieleinsatz bereits sehr hoch. Wenn Anbieter wie evoke ihre Marketingbudgets kürzen, um Steuernachzahlungen zu finanzieren, verlieren regulierte Casinos an Sichtbarkeit gegenüber illegalen Anbietern aus Curacao oder Malta, die sich nicht an deutsche Gesetze halten. Für deutsche GGL-lizenzierte Casinos bedeutet der Fall evoke eine Mahnung: Regulatorische Stabilität ist das höchste Gut. Nur wenn die legalen Angebote attraktiv bleiben, kann die Kanalisierung erfolgreich sein.
Häufige Fragen
Warum sind die Gewinne von evoke gesunken?
Der Hauptgrund ist ein Anstieg der Glücksspielsteuern in Großbritannien, der das Unternehmen im ersten Halbjahr etwa 46 Millionen Pfund kostete. Zudem stiegen die operativen Kosten durch regulatorische Anpassungen, während der Umsatz stagniert.
Werden William Hill Wettshops jetzt alle geschlossen?
Nein, bisher wurden rund 270 Filialen geschlossen, um die Profitabilität zu steigern. Das Unternehmen betreibt weiterhin über 1.000 Standorte, setzt aber verstärkt auf Selbstbedienungsterminals und Upgrades der Hardware.
Was passiert bei der Übernahme durch Ballys Intralot?
Ballys Intralot übernimmt evoke für rund 243,1 Millionen Pfund, um dem Konzern eine stabilere Kapitalstruktur zu geben. Der Abschluss des Geschäfts wird für das vierte Quartal oder das erste Quartal 2027 erwartet.
Haben die Steuererhöhungen in UK Einfluss auf deutsche Spieler?
Direkt hat die britische Steuer keinen Einfluss auf deutsche Spieler, aber sie zeigt das Risiko einer Überregulierung. In Deutschland sorgen der GlüStV 2021 und die GGL-Aufsicht für einen sicheren Rahmen mit klaren Einsatz- und Einzahlungslimits.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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