Paraguay ordnet Glücksspielmarkt neu: Steuerbehörde übernimmt Kontrolle von CONAJZAR
KI-GENERIERTPräsident Santiago Pena baut den paraguayischen Glücksspielsektor radikal um. Die Steuerdirektion DNIT entzieht der CONAJZAR die Lizenzgewalt, nachdem Kritik an der Transparenz laut wurde.
In Paraguay stehen die Zeichen auf Sturm, zumindest was die bisherigen Strukturen der Glücksspielregulierung betrifft. Präsident Santiago Pena hat eine weitreichende Umgestaltung der nationalen Glücksspielkommission CONAJZAR angeordnet. Diese wird künftig direkt der Steuerdirektion DNIT unterstellt. Das ist kein kleiner bürokratischer Akt, sondern eine handfeste Entmachtung einer Behörde, die in der Vergangenheit mehrfach durch mangelnde Transparenz und fragwürdige Entscheidungen aufgefallen ist. Der Prozess ist Teil eines wirtschaftlichen Versprechens, das Pena bereits für das Jahr 2025 gegeben hatte, um die Integrität des Sektors zu sichern.
Oscar Orue, der Präsident der DNIT, machte diese Woche deutlich, dass seine Abteilung vom Präsidenten persönlich beauftragt wurde, eine größere Verantwortung in der Führung des Glücksspiels zu übernehmen. Die bisherige Struktur, in der die CONAJZAR quasi eigenmächtig Lizenzen vergab, gehört der Vergangenheit an. Die DNIT übernimmt nun die Zügel bei staatlichen Ausschreibungen und Konzessionen. Für die CONAJZAR bleibt ein eng definierter Aufgabenbereich: Die operative Marktverwaltung, Vollstreckungsmaßnahmen und vor allem die Überwachung von problematischem Spielverhalten. Man könnte sagen, die Fachleute dürfen weiter zuschauen, aber die Kasse und die Einlasskontrolle übernimmt jetzt das Finanzamt.
Zahlen und Fakten
Grundlage für diesen radikalen Schritt ist das Gesetz 7,438/2025. Dieses Gesetz zerschlägt das bisherige Konzessionsmodell Paraguays, das auf Monopolen basierte. Stattdessen wird der Markt für einen breiteren Wettbewerb geöffnet. Ein prominentes Beispiel für die bisherige Praxis ist die exklusive Sportwetten-Lizenz von Aposta.la. Diese bleibt zwar bis zum Ende der Vertragslaufzeit gültig, doch neue Lizenzen werden unter den strengen Augen der DNIT und nach neuen Regeln vergeben.
„DNIT wird die Struktur von CONAJZAR ändern, um die Abteilung auf die Aufgaben der Marktverwaltung, Vollstreckungsmaßnahmen und die Überwachung von Spielsucht zu konzentrieren.“ - Oscar Orue, Präsident der DNIT
Besonders pikant ist die Rückkehr von Carlos Liseras zur CONAJZAR. Liseras, der zuvor eine Zeit lang im Senat von Paraguay verbrachte, kehrt nun per Präsidialdekret zurück. Er ersetzt Roxana Carolina del Rio Villalba als Vertreter der DNIT innerhalb der Kommission. Dieser personelle Wechsel findet zu einem kritischen Zeitpunkt statt, da die DNIT gerade beginnt, die Kontrolle über Lizenzen und Durchsetzung zu festigen. Die Neuausrichtung soll sicherstellen, dass Skandale wie im Jahr 2023, als die Vergabe einer Sportwetten-Franchise aufgrund mangelnder Transparenz für Schlagzeilen sorgte, der Vergangenheit angehören.
Hintergrund
Die Probleme in Paraguay sind hausgemacht. Im Jahr 2023 geriet die CONAJZAR massiv unter Druck, weil der Prozess für die bundesweite Sportwetten-Konzession als „verpfuscht“ galt. Beschwerden über unfaire Wettbewerbsbedingungen und eine intransparente Ausschreibung führten dazu, dass der Ruf der Behörde nachhaltig beschädigt wurde. Das neue Framework unter Gesetz 7,438/2025 ist die direkte Antwort darauf. Es integriert die Glücksspielaufsicht in die staatliche Finanzverwaltung, um eine strengere Überwachung der Einnahmen und eine faire Vergabe von Lizenzen zu garantieren. Der Schutz der Verbraucher soll dabei eine tragende Säule sein, da man in Paraguay befürchtet, dass ein wettbewerbsorientierterer Markt auch mehr Risiken für Spieler mit sich bringt.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler hat die Umstrukturierung in Paraguay zunächst keine direkten Auswirkungen auf ihren Alltag in heimischen Online-Casinos. Dennoch ist die Entwicklung ein wichtiges Signal für die globale Regulierung. In Deutschland sorgt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) bereits für einen sehr strengen Rahmen. Wer in Deutschland spielt, ist an das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat gebunden, das über das LUGAS-System überwacht wird. Zudem gilt das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten. Paraguay versucht nun, ein ähnliches Maß an staatlicher Kontrolle und Transparenz zu etablieren, wie es in Deutschland durch die GGL-Whitelist bereits Standard ist. Deutsche Urlauber in Südamerika sollten zudem wissen, dass dort nun vermehrt auf Spielerschutz geachtet wird, auch wenn die Standards noch nicht das Niveau der deutschen Oasis-Sperrdatei erreicht haben.
Was das für GGL-Casinos heißt
Betreiber, die eine deutsche Lizenz der GGL besitzen, operieren bereits in einem der am stärksten regulierten Märkte der Welt. Die Entwicklung in Paraguay zeigt, dass der Trend weltweit weg von intransparenten Monopolen und hin zu einer steuerlich überwachten Marktöffnung geht. GGL-lizenzierte Casinos profitieren indirekt davon, wenn internationale Standards steigen, da dies den Ruf der gesamten Branche verbessert. Während Anbieter mit Lizenzen aus Malta (MGA) oder Curacao oft in Grauzonen agieren, setzt Paraguay nun auf ein Modell, das die Steuerbehörde ins Zentrum rückt. Dies könnte langfristig dazu führen, dass internationale Anbieter, die in Paraguay aktiv werden wollen, ihre Compliance-Abteilungen ähnlich stark aufrüsten müssen wie für den deutschen Markt. Transparenz bei Ausschreibungen, wie sie die DNIT nun fordert, ist für seriöse deutsche Anbieter eine Grundvoraussetzung.
Häufige Fragen
Warum wird die CONAJZAR in Paraguay umstrukturiert?
Die Behörde stand seit 2023 wegen mangelnder Transparenz bei der Vergabe von Sportwetten-Lizenzen unter massiver Kritik. Präsident Santiago Pena ordnete die Unterstellung unter die Steuerbehörde DNIT an, um Korruption zu verhindern und die staatliche Aufsicht zu stärken.
Welche Rolle spielt die Steuerbehörde DNIT künftig?
Die DNIT übernimmt die volle Verantwortung für die Lizenzierung, die Durchführung von Ausschreibungen und die Besteuerung des Glücksspiels. Damit wird der CONAJZAR die Entscheidungsgewalt über Konzessionen entzogen, sie bleibt nur für die Marktüberwachung zuständig.
Was ändert das Gesetz 7,438/2025 für den Markt in Paraguay?
Das neue Gesetz löst das bisherige Monopolmodell auf und öffnet den Sektor für mehr Wettbewerb. Bestehende Exklusivverträge, wie die Sportwetten-Lizenz von Aposta.la, bleiben jedoch bis zum Ende ihrer Laufzeit gültig.
Wer ist Carlos Liseras und welche Aufgabe hat er nun?
Carlos Liseras kehrt aus dem Senat zur CONAJZAR zurück und wurde per Präsidialdekret zum Vertreter der DNIT innerhalb der Kommission ernannt. Er soll die Umsetzung der neuen Reformen und die Marktüberwachung unter dem neuen Gesetz leiten.
Wie sicher ist das Glücksspiel in Paraguay im Vergleich zu Deutschland?
Paraguay baut seinen Spielerschutz gerade erst aus, während Deutschland mit dem GlüStV 2021 und der GGL bereits höchste Standards bietet. Deutsche Spieler sind durch LUGAS, Oasis und das 1-Euro-Limit deutlich strenger geschützt als Spieler im paraguayischen Markt.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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