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UKGC rollt Finanzrisikoprüfungen schrittweise aus

8. Juli 20265 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
UKGC rollt Finanzrisikoprüfungen schrittweise aus

Die Glücksspielkommission des Vereinigten Königreichs (UKGC) führt nach einem erfolgreichen Testlauf Finanzrisikoprüfungen in Phasen ein. Über 97% der Spieler über dem Schwellenwert konnten reibungslos bewertet werden.

Die britische Glücksspielkommission (UKGC) hat die schrittweise Einführung von Finanzrisikoprüfungen bestätigt. Diese Maßnahmen folgen einem erfolgreichen Pilotprojekt. Sie sollen Kunden in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten identifizieren, ohne deren Kreditwürdigkeit zu beeinträchtigen. Die Umsetzung erfolgt stufenweise, um Reibungsverluste zu minimieren.

Die Prüfungen basieren auf dem Whitepaper zum Glücksspielgesetz und zielen darauf ab, gefährdete Spieler frühzeitig zu erkennen. Die UKGC setzt dabei auf Kreditauskunfteien. Es ist geplant, dass Spieler keine Dokumente einreichen müssen.

Zahlen und Fakten

Das Pilotprojekt der UKGC lieferte überzeugende Ergebnisse. 97 Prozent der Spieler, die die Schwelle überschritten, konnten reibungslos beurteilt werden. Diese Quote übertraf die ursprüngliche Schätzung von 80 Prozent deutlich. Dies war ein Hauptgrund für die Entscheidung zum gestaffelten Rollout. Die Kommission stellte auch fest, dass die aktuellen Prozesse der Glücksspielanbieter nicht immer ausreichen, um gefährdete Kunden zu identifizieren. Tim Miller, Executive Director der UKGC, betonte in einer Rede bei dem Ethical Gambling Forum, dass weniger als 3% der aktiven Kunden eine Intervention auslösen würden. Nur etwa 0,1% der aktiven Konten, also einer von tausend, würden die Prüfung nicht ohne zusätzliche Unterstützung abschließen können. Dies ist deutlich niedriger als die im Whitepaper geschätzten 0,6%.

Die erste Stufe der Umsetzung beginnt mit den größten Betreibern. Finanzrisikoprüfungen gelten für Spieler, die innerhalb von 24 Stunden mehr als 5.000 GBP einzahlen. Für junge Erwachsene unter 25 Jahren liegt der Auslöser bei 2.500 GBP innerhalb eines rollierenden 24-Stunden-Zeitraums. Weniger als 0,5 Prozent der Spieler sollen in diesen ersten Anwendungsbereich fallen. Der endgültige Rahmen wird auf Nettorückstellungen statt auf umfassende Prüfungen der gesamten Kundenbasis basieren. In der letzten Phase werden FRA für Spieler gelten, die 1.000 GBP an Nettoeinzahlungen über 24 Stunden oder 3.000 GBP über 90 Tage überschreiten. Für schutzbedürftige Gruppen liegen die Schwellenwerte bei 750 GBP beziehungsweise 2.000 GBP. Die UKGC erklärt, dass die frühen Phasen Nachsicht gegenüber den Betreibern zeigen werden, während das System verfeinert wird.

Hintergrund

Die britische Glücksspielkommission verteidigt ihr Programm zur Finanzrisikoprüfung. Dabei versichert sie der Branche, dass Vielspieler keine detaillierten Finanzdokumente als Teil des Programms einreichen müssen. Spieler sollen nicht dazu gezwungen werden, Bankauszüge einzureichen. Diese Maßnahme hat auch die Unterstützung der Glücksspielministerin Baroness Twycross.

„Das richtige Gleichgewicht muss gefunden werden, damit die Bewertungen diejenigen in finanziellen Schwierigkeiten vor dem Risiko von glücksspielbedingten Schäden schützen, aber keine unnötigen Belastungen für die Branche oder die Verbraucher schaffen.“ - Baroness Twycross, Glücksspielministerin

Sarah Gardner, die amtierende CEO der UKGC, äußerte sich ebenfalls zur Implementierung.

„Wir haben während des gesamten Pilotprozesses Feedback berücksichtigt, was uns dazu bewogen hat, vorsichtig vorzugehen. Wir werden mit wichtigen Partnern zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass sie auf die effektivste Weise für Verbraucher und Betreiber umgesetzt werden.“ - Sarah Gardner, amtierende CEO der UKGC

Die Regierung beabsichtigt, Schutz und Praktikabilität gleichermaßen zu berücksichtigen. Dieser Ansatz verlagert den Fokus auf die Umsetzung der Prüfungen. Die Betting and Gaming Council (BGC) kritisierte einst die Pläne, da eine YouGov-Umfrage im Auftrag des BGC zeigte, dass 65% der britischen Wettenden sich weigern würden, persönliche Finanzdokumente bereitzustellen, wenn dies erforderlich wäre.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Deutsche Spieler kennen ähnliche Maßnahmen bereits vom Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021). Auch hier werden Spieler vor zu hohen Verlusten geschützt. Deutschland hat mit der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) eine starke Aufsichtsbehörde geschaffen. Die GGL überwacht die Einhaltung der strengen Regeln. Dazu gehören das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an Online-Spielautomaten. Diese Limits sollen über das zentrale Überwachungssystem LUGAS kontrolliert werden.

Die britischen Maßnahmen zeigen eine ähnliche Tendenz, den Spielerschutz zu erhöhen. Allerdings unterscheidet sich der Ansatz in der Umsetzung stark. In Deutschland liegt der Fokus auf einheitlichen, bundesweiten Limits über alle Anbieter hinweg. Die UKGC setzt dagegen auf individuelle Risikobewertungen ohne direkte Einzahlungslimits, sondern mit anlassbezogenen Prüfungen. Deutsche Online-Casinos mit GGL-Lizenz müssen bereits sehr umfassende Spielerschutzkonzepte vorlegen und einhalten. Dazu gehören auch Maßnahmen zur Früherkennung von problematischem Spielverhalten.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für GGL-lizenzierte Casinos bedeuten die Entwicklungen in Großbritannien keine direkten Änderungen. Der deutsche Markt funktioniert unter einem eigenen Regelwerk. Trotzdem können solche internationalen Entwicklungen als Impulsgeber dienen. Sie könnten zukünftige Anpassungen des GlüStV 2021 beeinflussen. Die GGL beobachtet sicherlich solche Maßnahmen in anderen regulierten Märkten genau. Ein Ansatz wie der in Großbritannien könnte auf lange Sicht auch in Deutschland diskutiert werden. Allerdings müssen sich deutsche Spieler aktuell keine Sorgen um die Offenlegung von Finanzdokumenten machen. Die deutschen Limits sind Pauschallimits und richten sich nicht nach individuellen Bonitätsprüfungen. Die deutsche Regulierung ist schon sehr streng und auf Prävention ausgelegt.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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