Bulgarien plant Lizenzpflicht und Steuer für Glücksspiel-Affiliates

Bulgarien führt neue Regeln für Glücksspiel-Affiliates ein, darunter eine Lizenzpflicht sowie eine jährliche Steuer von 6.000 Euro und eine 10-prozentige Abgabe auf Provisionen.
Das bulgarische Parlament steht kurz davor, den lang erwarteten Haushalt für das Jahr 2026 zu verabschieden. Dieses Budgetpaket beinhaltet umfassende neue Maßnahmen, die sich direkt auf die Glücksspiel-Affiliates im Land auswirken werden. Der Schritt kommt in einer Zeit, in der Glücksspielwerbung generell stärker unter die Lupe genommen wird, ähnlich wie in vielen anderen europäischen Staaten.
Die geplanten Änderungen sehen vor, dass Affiliates, die mit regulierten Glücksspielanbietern zusammenarbeiten, künftig eine eigene Lizenz benötigen. Zusätzlich wird eine zweiteilige Abgabe eingeführt, die den Staatshaushalt aufbessern soll. Diese Entwicklungen spiegeln einen Trend wider, bei dem Staaten versuchen, alle Teile der Glücksspielbranche stärker zu regulieren und somit mehr Kontrolle sowie Einnahmen zu generieren.
Zahlen und Fakten
Das Haushaltsdefizit Bulgariens wird für 2026 auf 5,7 Prozent geschätzt, was etwa 7,2 Milliarden Euro entspricht. Die prognostizierten Einnahmen liegen bei 49,5 Milliarden Euro, während die Ausgaben 56,8 Milliarden Euro betragen. Um dieses Defizit zu mindern, setzen die Gesetzgeber nun auch auf Einnahmen aus dem Glücksspielsektor.
Ein zentraler Bestandteil des neuen Maßnahmenpakets ist die Einführung einer Lizenzpflicht für Affiliates, die mit lizenzierten Glücksspielunternehmen kooperieren. Darüber hinaus sollen zwei Arten von Abgaben erhoben werden: eine feste jährliche Steuer von 6.000 Euro und eine variable Steuer von 10 Prozent auf die Provisionen, die Affiliates aus ihrer Werbetätigkeit erzielen. Offizielle Schätzungen gehen davon aus, dass diese Änderungen dem bulgarischen Staat zusätzliche 100 Millionen Euro an jährlichen Steuereinnahmen bescheren könnten, so berichtet FocusGN.
Die Haushaltsverhandlungen wurden durch politische Turbulenzen im Land verzögert. Die vorherige Übergangsregierung hatte nicht die notwendige Autorität, um das Paket voranzutreiben. Erst nach den Neuwahlen im April, bei denen Rumen Radev eine Mehrheit erlangte, konnte der Gesetzgebungsprozess fortgesetzt werden.
Auch auf personeller Ebene gibt es Veränderungen. Alexander Popov hat seinen Posten als Direktor für Glücksspielpolitik bei der Nationalen Agentur für Einnahmen (NRA) verlassen. Medienberichte deuten darauf hin, dass Ginka Panaretova seine Nachfolgerin werden könnte. Diese potenzielle Ernennung ist jedoch umstritten, da Panaretova zuvor für den Glücksspielbetreiber Inbet tätig war.
„Die Regierung will das Budgetdefizit mit einer neuen zweiteiligen Abgabe für Glücksspiel-Affiliates stopfen.“ – jfoley, Autor bei FocusGamingNews
Hintergrund
Die Diskussion über die Regulierung von Glücksspiel-Affiliates findet vor dem Hintergrund einer verschärften Debatte über Glücksspielwerbung statt. Bulgarien hat bereits 2024 umfassende Werbeverbote für Fernsehen, Radio und bestimmte öffentliche Räume erlassen. Jüngst geriet der bulgarische Rundfunk in die Kritik, weil er während der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft angeblich glücksspielbezogene Werbung ausgestrahlt haben soll. Der Sender verteidigte sich damit, es handele sich um Sponsoring-Clips, nicht um direkte Glücksspiel-Anreize.
Die Nationale Kinder-Organisation in Bulgarien fordert derweil weitere Maßnahmen. Sie plädiert für ein Verbot von Produktplatzierungen und der Nutzung von Glücksspiel-Markenzeichen bei Sportveranstaltungen. Diese Forderungen erhöhen den Druck auf die Gesetzgeber, die Regeln noch weiter zu verschärfen, und könnten zusätzliche Einschränkungen im bald zu verabschiedenden Budgetpaket bedeuten. Es zeigt sich ein klarer Trend, Glücksspielwerbung strikter zu kontrollieren und ihre Reichweite zu begrenzen, um den Spielerschutz zu verbessern. Sowohl die finanzielle Notwendigkeit als auch wachsende gesellschaftliche Bedenken treiben diesen Prozess voran.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Die Entwicklungen in Bulgarien zeigen, dass auch andere EU-Staaten ihre Regulierung des Glücksspielmarktes anpassen und verschärfen. Für deutsche Spieler, die in GGL-lizenzierten Online-Casinos spielen, haben diese spezifischen bulgarischen Regelungen keine direkte Auswirkung. Der deutsche Glücksspielmarkt wird durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) und die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) reguliert. Hier gelten bereits strenge Regeln, die teilweise über die in Bulgarien diskutierten Maßnahmen hinausgehen.
In Deutschland gibt es zum Beispiel feste Einsatzlimits von 1 Euro pro Spin an Online-Slots und ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das zentrale Überwachungssystem LUGAS kontrolliert wird. Auch die Werbung für Glücksspiele ist stark eingeschränkt. Deutsche Affiliates, die für GGL-lizenzierte Casinos werben, unterliegen ebenfalls klaren Richtlinien, die den Jugendschutz und Spielerschutz gewährleisten sollen. Eine Lizenzpflicht, wie sie in Bulgarien nun geplant ist, besteht in dieser Form für Affiliates in Deutschland nicht. Allerdings müssen alle Beteiligten des Glücksspielmarktes, einschließlich der Werbepartner, die strengen Vorgaben des deutschen Glücksspielrechts einhalten. Spieler sollten daher immer auf das GGL-Siegel achten, welches die Einhaltung dieser Standards garantiert.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Online-Casinos mit einer Lizenz der GGL bedeuten solche internationalen Entwicklungen, dass der Druck auf Affiliate-Marketing und Glücksspielwerbung allgemein zunimmt. Auch wenn die konkreten bulgarischen Maßnahmen nicht direkt auf den deutschen Markt übertragbar sind, zeigen sie doch einen europäischen Trend zu verstärkter Regulierung und höherer Besteuerung. GGL-lizenzierte Casinos müssen ohnehin bereits strenge Auflagen hinsichtlich ihrer Marketingaktivitäten erfüllen. Dazu gehört die Einhaltung eines festen Werbezeitfensters, der Verzicht auf an Minderjährige gerichtete Werbung und die strikte Trennung von redaktionellen Inhalten und Werbung.
Sollten sich die Modelle der Affiliate-Besteuerung und Regulierung in anderen EU-Ländern etablieren, könnte dies langfristig auch Auswirkungen auf die Kostenstruktur und die Rentabilität des Affiliate-Marketings für den gesamten europäischen, einschließlich des deutschen, Glücksspielsektors haben. Für GGL-Casinos ist es wichtig, die Entwicklung der Gesetzgebung in anderen Staaten genau zu beobachten. Denn internationaler Druck und Best-Practice-Beispiele können zu einer Anpassung der eigenen Regulierungsansätze führen, um Spieler europaweit besser zu schützen und die Integrität des Marktes zu wahren.
„Die National Children’s Network fordert jetzt die Gesetzgeber auf, noch weiter zu gehen.“ – Grzegorz Kempiński, Autor bei igamingexpress.com
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
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