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Kanadas Kampf gegen Offshore-Glücksspiel: Ein komplexes Unterfangen

Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Kanadas Kampf gegen Offshore-Glücksspiel: Ein komplexes Unterfangen

Ein neuer Bericht von Blask zeigt, dass Kanada der viertgrößte iGaming-Markt der Welt ist, doch 64,5% des Marktes außerhalb Ontarios von Offshore-Anbietern kontrolliert werden.

Kanada, ein Land mit einer riesigen Fläche und einer lebendigen Bevölkerung, hat sich zu einem globalen Schwergewicht im Online-Glücksspiel entwickelt. Mit einem geschätzten Customer Equity Brand (CEB) Wert von 10,25 Milliarden US-Dollar über die letzten zwölf Monate positioniert sich Kanada als der viertgrößte iGaming-Markt weltweit, direkt hinter den USA, Großbritannien und der Türkei. Doch hinter diesen beeindruckenden Zahlen verbirgt sich eine anhaltende und komplexe Herausforderung: der Kampf gegen das Offshore-Glücksspiel. Während in einigen Provinzen regulatorische Fortschritte erzielt wurden, bleibt die Mehrheit des Landes fest in der Hand unlizenzierter Anbieter. Die Situation, so zeigt der Blask-Bericht, ist alles andere als einfach zu lösen, und erfordert mehr als nur die Einführung einer einzelnen Regulierung. Die schnelle Expansion des digitalen Glücksspielsektors in Kanada übertrifft sogar die Wachstumsraten der anderen Top-5-Märkte. Dies unterstreicht das enorme wirtschaftliche Potenzial, das jedoch durch die Dominanz der Offshore-Betreiber nicht vollständig ausgeschöpft wird. Die jüngsten Entwicklungen in Alberta, wo am 13. Juli 2026 ein lizenzierter iGaming-Markt eingeführt wurde, verdeutlichen die Schwierigkeiten bei der Rückgewinnung von Marktanteilen von unregulierten Anbietern. Blask betont, dass dies ein langwieriger Prozess ist, der über Jahre hinweg sorgfältige Anpassungen erfordert. Die Analyse von Blask, die auf globalen Tracking-Daten aus 135 Ländern basiert, zeigt, dass die schiere Größe des Marktes keine hohe Kanalisierung der Spieler in den regulierten Markt garantiert. Außerhalb des liberalen Marktmodells Ontarios setzen die meisten kanadischen Provinzen auf staatlich kontrollierte Monopole. Diese sogenannten Monopolmodelle sind laut Blask nicht in der Lage, einen signifikanten Anteil der aktiven Verbrauchernachfrage zu befriedigen. Dies führt dazu, dass Spieler weiterhin auf Offshore-Anbieter zurückgreifen. Das Ergebnis ist eine Fragmentierung des Marktes, die regulierten Betreibern den Zugang erschwert und den unregulierten Anbietern weiterhin Tür und Tor öffnet.

Zahlen und Fakten

Der aktuelle Blask-Report deckt auf, dass Kanada im Jahr 2025 mit rund 9,5 Milliarden US-Dollar CEB den drittgrößten iGaming-Markt global darstellt. Dies steht im Widerspruch zur früheren Quelle, die von 10,25 Milliarden US-Dollar für die letzten 12 Monate gesprochen hat – hier gibt es offenbar eine leichte Diskrepanz in den Zeiträumen oder Berechnungsmethoden. Was jedoch klar ist, die Wachstumsrate ist unter den Top Fünf die höchste. Die Analyse von Blask für den Zeitraum von Juli 2025 bis Juni 2026 zeigt eine deutliche regionale Kluft. Ontario ist die einzige Provinz, in der der regulierte Sektor tatsächlich erfolgreich ist. Hier verbleiben lediglich 19% des Marktes bei Offshore-Anbietern, während regulierte Marken 81% des CEB auf sich vereinen. Dies ist ein bemerkenswerter Erfolg, da Ontario auf diesem Erfolgsmodell den bestehenden Graumarkt-Betreibern einen reibungslosen Übergang in den regulierten Markt ermöglichte. Hierzu Denis Skorobogatko, Data Journalist bei Blask:

„Provinzen, die zu einem offenen Markt übergehen, sind dazu bestimmt, ein Kanalisierungsproblem zu lösen, das die Monopolregulierung nie gelöst hat.“ - Denis Skorobogatko, Data Journalist bei Blask

Abseits Ontarios sieht die Realität jedoch düster aus: Unregulierte Marken beherrschen beeindruckende 64,5% des Marktes im Rest des Landes. In den Monopolprovinzen wie British Columbia und Québec liegt der regulierte Marktanteil bei lediglich 35% bzw. 17,3%. Diese Zahlen unterstreichen die Ineffizienz geschlossener Monopolmodelle. Alberta, die zweite Provinz, die ihren Markt öffnete, startete aus einer noch schwierigeren Position. Vor dem Start am 13. Juli hielten Offshore-Anbieter ganze 89,2% des 1,88 Milliarden US-Dollar schweren CEB-Marktes der Provinz. Das einzige legale Angebot, PlayAlberta, sicherte sich nur 10,8% der Marktnachfrage. Zwischen Juli 2025 und Juni 2026 sank der regulierte CEB-Anteil sogar um 10,9%, während die Offshore-Nachfrage um 16,2% anstieg. Unlizenzierte Giganten wie Stake, Rainbet und Roobet, die bereits einen erheblichen Teil der lokalen Nachfrage abfangen, haben sich nicht frühzeitig für Lizenzen beworben und sind weiterhin im unregulierten Raum aktiv. Die Top 2 Marken nach CEB in ganz Kanada sind Stake und Roobet, beide unreguliert. Dies stellt eine riesige Hürde für die kanadische Regierung dar, die versucht, die Kontrolle über ihren Glücksspielmarkt zu gewinnen.

Hintergrund

Die kanadische Glücksspielregulierung ist – ähnlich wie in Deutschland – auf Provinzebene organisiert. Jede Provinz kann ihre eigenen Regeln festlegen. Dieses föderale System führt zu einem Flickenteppich an Vorschriften und einer inkonsistenten Marktlandschaft. Während Ontario ein offenes, wettbewerbsorientiertes Modell etabliert hat, bei dem private Betreiber Lizenzen erhalten können, halten die meisten anderen Provinzen an einem staatlich kontrollierten Monopol fest. In diesen Monopolmodellen gibt es oft nur eine einzige, staatlich betriebene Online-Glücksspielplattform. Die Idee dahinter ist, die Kontrolle zu behalten und die Einnahmen für öffentliche Dienste zu nutzen. Doch die Realität zeigt, dass diese Modelle oft nicht mit der Vielfalt und Attraktivität der unregulierten Offshore-Angebote mithalten können. Das Problem der Kanalisierung, also die Fähigkeit, Spieler vom unregulierten in den regulierten Markt zu lenken, wird durch diese Monopole nicht gelöst, sondern verschärft. Spieler suchen oft nach einer größeren Auswahl an Spielen, besseren Boni oder einfach nach Plattformen, die sie bereits kennen und denen sie vertrauen – und finden diese dann bei Offshore-Anbietern. Die Regierung Québecs schätzt beispielsweise einen Steuerverlust von über 300 Millionen US-Dollar aufgrund von Offshore-Glücksspiel. Blask weist kritisch darauf hin, dass offizielle Regierungsstatistiken, die oft auf Umsatzschätzungen basieren, die tatsächliche Verbrauchernachfrage unterschätzen. Die eigene Methode, Customer Equity Brand (CEB), die Suchanfragen und Online-Sichtbarkeit berücksichtigt, offenbart die wahre Dominanz der unregulierten Anbieter. Ohne einen einheitlichen Ansatz und eine Bereitschaft, von erfolgreichen Modellen wie dem in Ontario zu lernen, wird Kanada weiterhin einen Großteil seiner iGaming-Einnahmen an Offshore-Betreiber verlieren.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Die Erfahrungen aus Kanada sind für deutsche Spieler und den hiesigen Glücksspielmarkt hochrelevant. Deutschland hat mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) ebenfalls versucht, den Online-Glücksspielmarkt zu regulieren und Spieler in lizenzierte Angebote zu lenken. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL), die für die Erteilung von Lizenzen und die Überwachung zuständig ist. Ähnlich wie in den kanadischen Monopolprovinzen, sah sich der deutsche Markt mit strengen Auflagen konfrontiert, wie dem 1-Euro-Einsatzlimit pro Spin bei Spielautomaten und einem monatlichen Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das zentrale Überwachungssystem LUGAS kontrolliert wird. Diese Maßnahmen sollen den Spielerschutz gewährleisten, führen aber auch dazu, dass viele Spieler weiterhin auf nicht-lizenzierte Anbieter ausweichen, die diese Beschränkungen nicht haben. Der Anreiz, sich an die strengen Regeln zu halten, ist gering, wenn Offshore-Casinos eine weitaus größere Freiheit bieten, ohne dass die Spieler Konsequenzen fürchten müssen. Die deutsche Regulierung muss sich fragen lassen, ob sie tatsächlich eine effektive Kanalisierung erreicht oder ob sie — ähnlich wie die kanadischen Monopole — zu einem Abfluss der Spieler in den unregulierten Raum führt. Die GGL steht vor der Herausforderung, den Schwarzmarkt einzudämmen und gleichzeitig ein attraktives und sicheres Angebot zu gewährleisten, das Spieler überzeugt, im legalen Rahmen zu bleiben. Ein Blick nach Ontario, wo die Regulierung einen reibungslosen Übergang von Graumarkt-Betreibern in den regulierten Bereich ermöglichte, könnte wertvolle Erkenntnisse liefern. Der Schlüssel liegt darin, ein Gleichgewicht zwischen Spielerschutz und Attraktivität des Angebots zu finden, um den Schwarzmarkt langfristig und nachhaltig auszutrocknen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für GGL-lizenzierte Casinos bedeuten die kanadischen Erkenntnisse eine Bestätigung, dass die Kanalisierung des Marktes kein Selbstläufer ist. Die deutschen Lizenzinhaber müssen sich bewusst sein, dass strenge Auflagen, die den Spielerschutz fördern sollen, ohne eine konkurrenzfähige Produktpalette zu bieten, Spieler in die Arme des Schwarzmarktes treiben können. Mit dem 1-Euro-Einsatzlimit und dem 1.000-Euro-Einzahlungslimit sind deutsche Anbieter bereits stark eingeschränkt. Damit einher geht die Gefahr, dass sie gegen die vielfältigen und oft bonusstärkeren Angebote von Offshore-Anbietern, die weiterhin über MGA- oder Curacao-Lizenzen operieren, schwer ankommen. Die kanadische Situation zeigt, dass eine zu restriktive Regulierung kontraproduktiv sein kann, wenn das Ziel die Eindämmung des unregulierten Marktes ist. GGL-Casinos müssen daher versuchen, mit innovativen Lösungen und einem hervorragenden Service ihre Spieler zu binden, auch wenn die Produktbeschränkungen dies erschweren. Eine Anpassung der Regulierung, die es den lizenzierten Anbietern ermöglicht, wettbewerbsfähiger zu agieren und beispielsweise maßgeschneidertere Boni anzubieten, könnte ein wichtiger Schritt sein. Nur so lässt sich verhindern, dass ein Großteil der deutschen Spieler – ähnlich wie in vielen kanadischen Provinzen – weiterhin Offshore-Seiten bevorzugt. Die GGL ist gefordert, aus den Erfahrungen anderer Länder zu lernen und den regulierten Markt so zu gestalten, dass er sowohl sicher als auch attraktiv ist. Andernfalls riskieren wir in Deutschland, einen ähnlichen Kampf gegen unregulierte Anbieter zu führen, wie er derzeit in Kanada tobt, mit dem Ergebnis, dass die Spieler am Ende doch auf den Schwarzmarkt abwandern.

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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